buntstifterkongress

Buntstifterkongress

Vom 7. bis 8. Juni 2014 fand der KICK-OFF zu unserem Projekt “Die Buntstifter” im FEZ in Berlin mit 150 Jugendlichen  – quer durch alle Verbände – statt.

” Jugend stiftet an – für eine barrierfreie Zukunft”  – mit dem Motto wollten wir die Begegnung zwischen verschiedenen Jugendlichen möglich machen. Zum Austausch über  Erfahrungen mit unterschiedlichen Vorurteilen und Barrieren anstiften. Eine Diskussion gemeinsamer Ideen, wie Barrieren in wichtigen Gesellschafts- und Lebensbereichen abgebaut werden können, entfachen.

talkshow

Anregungen für den Austausch bot die vorangehende Talkshow mit unseren Botschaftern Erwin Aljukiv und Steve Stymest sowie weiteren prominenten Politikern, Künstlern und ehrenamtlichen Sozialhelden. Einen Video-Mitschnitt dieser Podiumsdiskussion stellen wir euch demnächst hier online zur Verfügung!

Eines machte die Podiumsdiskussion schnell deutlich: das Projekt “Die Buntstifter” steht vor keiner kleinen Aufgabe: in unserer  – oft nur scheinbar toleranten  – Gesellschaft gibt es immer noch viele Menschen, die in ihrem Alltag diskriminiert werden. Barrieren werden schnell erlebbar:

  • z.B. wenn ein Mode-Fotograf keine tauben Models fotografieren will. Wie es unser Botschafter Steve Stymest, selbst gehörlos, Model und Fotograf, erlebte, als er die Show „Germany’s Next Deaf Model“ organisierte.
  • z.B. wenn ein Berufsberater Jugendlichen mit Behinderung das Recht auf Wahlfreiheit abspricht. Wie es Schauspieler Erwin Aljukic, ebenfalls Buntstifter-Botschafter, erlebte. Er wollte Modedesign studieren – der Berater nannte diesen Wunsch „unrealistisch“.
  • z.B. wenn der Türsteher eines Clubs Menschen mit dunkler Hautfarbe den Zugang verweist. „Ich bin nicht auf meine eigene Abiparty gekommen“, so das bittere Kommentar von Baris Güngör, Mitglied von Young Voice TGD auf dem Podium.

Mit solchen “typischen” Fällen von Diskriminierung im Alltag kennt sich Bernhard Franke aus. Er ist stellvertretender Leiter der Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes, die kostenfrei zu Diskriminierung berät. Die ADS nimmt Kontakt zu der Gegenseite auf, versucht, den Streit gütlich beizulegen. Dabei wird zwar oft eine eine Entschuldigung für die Diskriminierten erreicht, bestraft wird Diskriminierung in Deutschland aber nicht, Betroffene können höchstens Entschädigungen erhalten.

Ein Interview mit Herrn Franke über die Diskriminierung von Jugendlichen mit Behinderung und/oder familiärer Migrationsgeschichte, könnt ihr HIER nachlesen.

Was kann nun jeder Einzelne gegen Diskriminierung tun, wie lassen sich Barrieren abbauen? Die ersten Schritte hierzu, konnten die Teilnehmenden des Buntstifter-Kongresses im Anschluss an die Podiumsdiskussion selbst machen: Sie lernten sich und die anderen besser kennen. Die Jugendlichen absolvierten einen Schnupperkurs in Gebärdensprache, probierten inklusives Yoga aus und beschäftigten sich in Trickfilmen mit wechselnden Identitäten. Sie sangen mit dem schwerhörigen Hamburger Musiker Mischa Gohlke den Inklusions-Song „andersSein vereint“, erfuhren mit einem Team von Handicap International mehr über Menschenrechte und mit Trainern des Deutschen Jugendrotzkreuzes und Young Voice TGD über Vielfalt und Diversity.

Während der Workshops zeigte sich schnell, wie gut man sich versteht und wie intensiv man diskutieren kann – auch wenn man “scheinbar unterschiedlich” ist. Wie fröhlich man auch zusammen feiern kann, zeigte sich am “Bunten Abend”. Die Künstler am Abend: der taube Comedian Raul Figura, der schwerhörige Hamburger Musiker Mischa Gohlke und seine Freundin, die Sängerin Kathrin Wulff sowie die Berliner Rapper KOR-I, MCESGEE und Graf Fidi boten “inklusives” Entertainment und bewiesen, dass “Grenzen relativ sind”.

Die konkreten Schritte, die ab jetzt zu machen sind, planten die Teilnehmenden schließlich am nächsten Tag während der Open-Space-Veranstaltung. Erste Vereinbarungen, die getroffen wurden: Die Buntstifter vernetzen sich quer über ihre Verbände hinweg, wollen Fernsehsender anschreiben, die ihre Sendungen besser untertiteln sollen, und ein inklusives Bilderbuch erstellen – Arbeitstitel: „Ich habe einen Freund, der hört mich nicht.“ Zwei Teilnehmer wollen einen Bezeichnungs-Knigge schreiben. Und, und, und. Auch Phantasie hat keine Grenzen!

Die Teilnehmenden des Buntstifterkongresses entwickeln Visionen für eine barrierfreie Zukunft

Die Teilnehmenden des Buntstifterkongresses entwickeln Visionen für eine barrierfreie Zukunft

Beim Buntstifter-Kongress ging es darum, Vorurteile und Barrieren abzubauen. Ein erster Anfang hierzu wurde mit den Vorschlägen für eine inklusive Gesellschaft, die die 150 teilnehmenden Jugendlichen eingereicht haben, gemacht.

Die Ergebnisdokumentation zum Open Space des Buntstifterkongresses findet ihr HIER!

Einen Video-Mitschnitt mit Eindrücken der zweitägigen Veranstaltung findet ihr in der Videothek.

Wir machen weiter! Seid ihr mit dabei unsere Ideen für eine barrierfreie Zukunft in ganz Deutschland umzusetzen?

Dann mach’ mit bei unserem Stickerwettbewerb!